Neben den der aktuellen Situation im Hier und Jetzt, fasst die Schematherapie auch die Dinge ins Auge, die uns auf unseren Weg behindern: neben den übergeordneten emotionalen Mustern (Schemata) sind das Bewältigungsstrategien, die wir uns oft bereits in der Kindheit angeeignet haben um im Leben totz aller Enttäuschungen besser klar zu kommen. Diese Strategien sind uns nicht bewusst, wir bemerken nur ihre Folgen in Form von unangenehmen Gefühlen, Stimmungen, Reaktionsmustern, Sucht- und Fluchtverhalten und Konflikten.

Schemata, Vermeidungs- und Bewältigungsstrategien werden in der Schematherapie bewusst gemacht, verändert und so Raum für Neues geschaffen.

 

Nach welchem inneren Model arbeitet die Schematherapie?


In der ST wird davon ausgegangen, dass innere Konflikte, Spannungen, und äußere Probleme ihre Ursache in widerstreitenden inneren Impulsen haben. Die inneren Impulse können als Modi (Mehrzahl: Modi, Einzahl:Modus = eine erlebte Befindlichkeit/Zustand) beschrieben werden. Den Modi liegen Schemata zugrunde, die bewirken wann die Modi auftreten.

Die Lösung von Konflikten oder Bewältigung von Situationen in der äußeren Welt oder in Beziehungen kann aufgrund "maladaptiver Schemata" oder ungünsitger "Bewältigungs-Modi" nicht zu Stande kommen. Ein Bild dafür ist eine festgelegte Theaterscene (Schema) mit den beteiligten Schauspielern (Modi). Ähnlich wie auf einer Bühne im Theater läuft es in uns selbst ab. Es werden innerlich bereits vor langer Zeit geschriebene Stücke aufgeführt, manche Szenen sind schön und ruhig, andere sind voller Streit und Spannung, in machen Szenen monologiesieren die Schauspieler in anderen unterhalten sich bestimmte Rollen. Uns ist das innere Theater oft wenig bewusst, wir sehen manche Schauspieler nur ganz selten, andere nahezu dauernd. Was uns aber berührt, was wir erleben ist ist die Stimmung die in der Szene verbreitet wird. In der ST geht es darum mit den alten Stücken aufzuräumen, das Script hinter dem Vorhang zu erkennen, die unbekannten Schauspieler ins Rampenlicht zu locken und ein neues Stück zu schreiben das dem mehr entspricht wie wir sein wollen und das wir auch mit gutem Gewissen vertreten können.

 

Was ist ein Schema?

 

Jeder Mensch entwickelt in seiner Kindheit und Jugend Schemata von sich selbst, von anderen und von der Welt. Diese Schemata sind die Grundlage dafür, wie er später mit verschiedenen Situationen im Erwachsenenleben umgeht.

Ein Schema an sich ist durchaus sehr sinnvoll, es hilft uns dabei mit einem vorgefertigtem Konzept auf die Welt zuzugehen oder auf sie zu reagieren, ohne das wir jedesmal eine Situation von Grund auf neu beurteilen müssen. Nachteilig ist ein Schema jedoch wenn es unpassend (maladaptiv) für unsere Begegnung mit anderen ist. Förderlich (adaptiv) ist es wenn es uns dabei hilft adäquat und flexibel mit Situationen umzugehen.

 

Ein maladaptives Schema ist beispielsweise ein anhaltende Gefühl von Verlassenheit, Minderwertigkeit oder Leere und die Überzeugung nicht liebenswert zu sein oder auch der anhaltende Druck viel leisten zu müssen.


Wie entstehen Schemata?

 

"Maladaptive Schemata" entstehen aufgrund unbefriedigter Grundbedürfnisse in der Kindheit oder Jugend als Notlösung, als Ausweg aus Situationen die nicht mehr auszuhalten sind. Wenn die Grundbedürfnisse von Kindern nach Liebe, Zuwendung, Geborgenheit, Sicherheit, Akzeptanz und Individualität überwiegend erfüllt wurden, dann entstehen "gesunde Schemata" und Kinder können positive Bilder von sich und der Welt entwickeln.


Was sind Ziele der Schematherapie?

 

In der Schematherapie geht es zuerst darum, sich der eigenen Schemata bewusst zu werden, um aus den automatisierten Reaktionsmustern auszusteigen.

Der Ausstieg aus dem Schema geschieht durch die Arbeit an den beteiligten Modi.

Die individuel vorherrschenden Modi werden zunächst benannt und in ihrer Funktion gewürdigt. Der Therapeut übernimmt zunächst die Rolle des gesunden Erwachsenen für den Klienten und versorgt, tröstet und fördert in der Therapie die verletztlichen Kind-Modi, damit die frustrierten Bedürfnisse im Hier- und Jetzt erfüllt werden und der Klient neue gesündere Bewältigungsstrategien erlernen kann. Daneben werden dysfunktionale Eltern und Bewältigungsmodi begrenzt und reduziert. Der Klient lernt nach und nach die Rolle des "Gesunden Erwachsenen" selbst zu übernehmen.

 

Der Klient lernt in der Schematherapie seine "eigentlichen" Bedürfnisse kennen und adäquat befriedigen, d.h. es wird kontinuierlich der Modus des Gesunden Erwachsenen und der Modus des glücklichen Kindes gestärkt sowie dysfunktionale Elternmodi reduziert.

 

Welche Techniken werden in der Schematherapie eingesetzt und wie gestaltet sich die Beziehung zum Therapeut?

 

Eine als sicher erlebte Beziehung zum Therapeuten ist besonders wesentlich in der Schematherapie. Der Therapeut ist warmherzig, unterstützend und authentisch. Er hilft dem Klient, Dinge zu erleben und zu erlernen, die er in seiner Kindheit nicht erlernen konnte. Dieses bisher nicht erlernte dient der Bewältigung aktueller Probleme.

 

Mittels emotionsorientierter Techniken (Imaginationsübungen, Modus-Dialoge) hilft der Therapeut dem Klient Gefühle und Grundbedürfnisse wieder zu spüren sowie einen neuen Umgang damit zu entwickeln.

 

Kognitive Techniken werden eingesetzt, um die Gültigkeit von Schemata und Modi zu hinterfragen. Beispielsweise Wissensvermittlung zu Schemata, Modi, Grundbedürfnissen von Kindern und zu Gefühlen; Überlegung von Vor- und Nachteilen der Schemata und Modi; Führen von Modus-Tagebüchern und das Erstellen von Modus-Memo-Karten.

 

Verhaltensbezogene Techniken (z.B. Verhaltensexperimente, Imagination, Aufbau neuer Aktivitäten und Rollenspiele, therapeutische Hausaufgaben) helfen neues Verhalten zu erproben.